Station 10: Lebendiger Boden
Allgemeine Infos
Das Laub und die Nadeln, die von Bäumen fallen, sowie umgestürzte abgestorbene Bäume (Totholz) müssten sich im Laufe der Jahre zu riesigen Bergen auftürmen. Doch kleine Lebewesen am Boden leben gerade von diesen Dingen. Tauche ein in den artenreichen Mikrokosmos der Insekten und lerne zu verstehen, wie diese leben.
Weitere Infos:
1. Insektenhotel
Ein Insektenhotel ist ein besonderer Ort, an dem Insekten wohnen, schlafen und überwintern können. Damit sich viele verschiedene Insekten dort wohlfühlen, muss man beim Bau einiges beachten.
Das Hotel sollte aus natürlichen Materialien gebaut sein – also ohne giftige Farben oder Chemikalien. Es steht am besten an einem sonnigen, aber windgeschützten Platz. Zum Füllen kann man vieles verwenden, was man im Wald oder Garten findet: zum Beispiel altes Holz, Stroh, Rinde, Gräser, Blätter, Steine oder Lehm. Wichtig ist, dass alles trocken ist, damit nichts schimmelt.
Verschiedene Insekten haben unterschiedliche Vorlieben:
Die Florfliege frisst gerne Blattläuse. Sie mag rote Kästen mit Stroh und kleine Schlitze zum Hineinkriechen.
Wildbienen wie die Mauerbiene leben gerne in hohlen Pflanzenstängeln oder in angebohrtem Holz, zum Beispiel in Birkenstücken.
In den Zwischenräumen mit Stroh fühlen sich Ohrenkneifer wohl.
Marienkäfer verstecken sich gerne unter Laub und kleinen Ästen.
Viele dieser Insekten helfen im Garten, weil sie Schädlinge fressen oder Pflanzen bestäuben. Einige sind sogar gefährdet und brauchen besonderen Schutz. Mit einem Insektenhotel kann man ihnen einen sicheren Ort zum Leben geben – und dabei auch noch eine Menge über die Natur lernen!
2. Insekten im Wald
Im Wald leben viele verschiedene Tiere, aber die Insekten sind die kleinsten und gleichzeitig zahlreichsten. Es gibt fast eine Million verschiedene Arten – so viele wie von keiner anderen Tiergruppe. Und sie sehen nicht nur ganz unterschiedlich aus, sondern haben auch ganz verschiedene Aufgaben.
Insekten helfen z. B. dabei,
Blüten zu bestäuben,
fruchtbare Erde (Humus) zu bilden,
oder dienen anderen Tieren als Futter.
Der Wald bietet viele verschiedene Plätze, an denen Insekten leben können. Manche mögen tote Baumwurzeln, andere leben auf der Baumrinde oder zwischen Rinde und Holz. Je nachdem, wo sie leben, nennt man sie Rindenbrüter oder Holzbrüter.
Wenn totes Holz – also abgestorbene Äste oder Bäume – zu früh aus dem Wald entfernt wird, verlieren viele Insekten ihren Lebensraum. Denn je mehr Totholz, desto mehr Arten können darin leben. Deshalb ist es wichtig, solche Plätze im Wald zu erhalten.
Einige Insekten, wie der Bockkäfer, fressen direkt die Rinde oder das Holz. Andere, wie manche Wildbienen, nutzen nur die Gänge, die andere Insekten vorher gebohrt haben. Fliegenlarven oder Mückenlarven fressen z. B. Pilze, Bakterien oder Insektenkot, die sich in diesen Gängen befinden. Sogar Baumpilze sind für viele Käfer und Fliegen ein Zuhause.
Es gibt auch räuberische Insekten, die sich von anderen kleinen Tieren im Holz ernähren. Jede Zerfallsstufe eines alten Baumes wird von anderen Insekten bewohnt. Wenn das Holz schließlich zu verrotten beginnt, kommen Würmer, Schnecken, Asseln und Bodeninsekten und zersetzen den Rest, bis wieder fruchtbare Erde entsteht.
Ohne die Hilfe der Insekten würde das viel länger dauern. Denn sie bohren zuerst Löcher in das Holz – und erst dadurch können Pilze und Bakterien eindringen, die beim Zersetzen helfen.
Besonders Weichhölzer wie Pappeln oder Weiden werden oft früh gefällt, weil sie wirtschaftlich nicht so wertvoll sind. Aber manche Schmetterlingsraupen brauchen genau diese Bäume als Kinderzimmer, um sich zu entwickeln. Deshalb ist es wichtig, auch diese Bäume im Wald zu lassen.
3. Lebensraum Waldboden
Der Waldboden ist nicht einfach nur Erde – er ist ein wichtiger Teil des Waldes. Er sorgt dafür, dass Wasser, Nährstoffe (also Futter für Pflanzen) und auch Schadstoffe aufgenommen und weitergegeben werden können. Außerdem ist er das Zuhause für viele winzige Lebewesen.
Im obersten Teil des Waldbodens – also in den obersten 30 Zentimetern – können auf einem einzigen Hektar (so groß wie ein Fußballfeld) bis zu 25 Tonnen Bodenlebewesen leben! Das sind mehr Lebewesen als man sich vorstellen kann – und viel mehr Arten als über der Erde.
Schon in einem Teelöffel voller Waldboden leben:
etwa 100 Millionen Bakterien,
60 Kilometer lange Pilzfäden,
30.000 winzige Einzeller,
und 1.000 Fadenwürmer.
Diese winzigen Helfer sind dafür verantwortlich, dass abgefallene Blätter und Pflanzenreste verrotten, dass daraus Humus (fruchtbare Erde) entsteht und dass neue Nährstoffe für die Pflanzen gebildet werden.
Im Boden arbeiten viele Kreisläufe zusammen – wie ein Team: physikalisch, biologisch und chemisch. Auch wenn wir diese kleinen Lebewesen mit dem bloßen Auge nicht sehen können, übernehmen sie wichtige Aufgaben im Wald.
Ohne den gesunden Waldboden gäbe es keinen Wald – er ist die Grundlage für alles Leben, das dort wächst und lebt.













